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Kindheit am Bauernhof

August 17, 2017

 

Da wusste sie plötzlich, dass die Decke nur eine Plastikhülle war. Zwei dicke geweißelte Müllsäcke, lieblos über Holzpfähle gespannt, wehten kalte Stallluft herein. Sie reglos zuunterst. Keine Kraft, die Augen jedes Mal, wenn ein Heudorn sie ansteuerte, zuzukneifen. Sie ließ es geschehen. Blassblau oder rotstichtig, einerlei. 

Sie musste schon lange hier gelegen sein. Der Himmel über den Staubwirbeln schien tiefschwarz zu schimmern und roch ein wenig nach Kaminwinter. 

War der von ihr verhasste Sommer nicht gerade erst abgeklungen? Der Sommer, der lähmende Steife in ihre Glieder jagte und mit seinem Fortdauern immer stärker in ihrem Kopf pochte? Der, der sie daran erinnerte, dass sie es nie zu etwas bringen wird? Der, der die Weidenzäune um sie noch bedrohlicher zirpen ließ? Der, der ihr sagte, dass sie immer eine von ihnen bleiben würde? Der, der ihren schwitzenden Körper beim Sensen gnadenlos vor der Nase tanzen ließ? Der, der die Gestänke von Heu, Rahm und Brüderrudel ins Unerträgliche zog? Der, der ihr den Weg ins Dorf hinunter mit Brennnesseln abschnitt? Der, der sie wissen ließ, dass sie nicht einmal schwimmen konnte? 

Aber Laufen und Klettern konnte sie. Auf Nadelbäume und über die abschüssigen Wiesen, bis das Pochen im Kopf dem Stechen in der Brust wich. Und Kraft hatte sie, Sensenkraft und gelähmte Kraft. Sie mähte, damit sie nicht sprechen musste und schluckte, weil sie nicht spucken sollte. 

Sie wusste nicht wohin mit sich. 

Nur der Schuppen gab ihr Schatten. Das heisere Kräken der drei Ziegen und die blutfressenden Bremsen stillten ihre zornigen Stimmen. Der stichige Heuboden zwang sie in einen traumlosen, trügerischen Schlaf. 

Die Bremsen hatten sie verlassen, die Ziegen schliefen stumm. 

Da prickelte etwas Klebriges an ihrem rechten Zeigefinger. Sie blinzelte die Augen auf und sah, dass es es ein silbriger Faden war, den die Schuppenspinne dreimal fest herumgewickelt hatte. Er ragte wie der Holzpfahl stracks in die löchrige Decke. Etwas wie eine Wärme kletterte in ihren Bauch. 

Sie blickte hinauf.

“Ich bin ja doch zu schwer”, sagte sie sich und wand sich auf. Draußen röhrten schon die Brüder nach ihr.

 

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